Veranstaltungen im Rückblick

Unterzeichnung UNESCO-Welterbeantrag SchUM-Stätten, 13. Januar 2020 in Mainz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer unterzeichnete am 13. Januar 2020 in der Neuen Synagoge in Mainz den Welterbe-Antrag »SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz«.
Die drei jüdischen Gemeinden in den drei Städten am Rhein waren im Mittelalter die führenden jüdischen Zentren, architektonisch wie religiös. SchUM war ein einzigartiger Gemeindebund, der bis heute ausstrahlt.
Mit dem Druck des rund 1000-seitigen Antrags und der Unterschrift von MPin Malu Dreyer ist der formelle Weg beschritten. Am 23. Januar 2020 wird der Antrag in Paris eingereicht.
»Rheinland-Pfalz hat eine außergewöhnlich reiche jüdische Geschichte. Mit unserem Antrag wollen wir die umfassende Bedeutung unseres jüdischen Erbes herausstellen und damit das Bewusstsein für die deutsch-jüdische Geschichte wachhalten«, unterstrich die Ministerpräsidentin.
Das über 1.000 Seiten starke Dokument führt den außergewöhnlichen, universellen Wert aus, der für einen erfolgreichen UNESCO-Antrag notwendig ist. Die drei jüdischen Gemeinden haben mit ihren wegweisenden Monumenten und Traditionen das Judentum geprägt und in Mittel- und Osteuropa über mehrere Jahrhunderte maßgeblich beeinflusst. Hier entstanden neue Synagogentypen, monumentale Mikwaot und eine eigene Bestattungskultur. Mit den berühmten Gelehrten wie Raschi, Maharam und Maharil und Gerschom ben Jehuda wurde SchUM zur Wiege des aschkenasischen Judentums.
Ein großes, engagiertes Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Universitäten, dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, der Generaldirektion Kulturelles Erbe, dem Verein SchUM-Städte e.V., den Städten Speyer, Worms und Mainz und der Jüdischen Gemeinde Mainz erarbeitete den Welterbe-Antrag seit 2016. Im Nominierungsdossier wird insbesondere der außergewöhnliche universelle Wert der Stätten dargelegt und in einer umfassenden Vergleichsanalyse dargelegt, wieso SchUM einzigartig ist. Der Managementplan zeigt auf, wie auch in Zukunft der Schutz der Stätten sichergestellt und das Wissen über ihre Bedeutung gesteigert werden Am 13. Januar 2020 unterzeichneten das Land, die Städte Speyer, Worms und Mainz, der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, die Jüdische Gemeinde Mainz sowie die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz eine Fortführung des bisherigen Kooperationsvertrages, um über die Antragsstellung hinaus gemeinsam für SchUM aktiv zu sein.
Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin von Speyer und Vorsitzende des SchUM-Städte e.V.: »SchUM, der Verbund der jüdischen Gemeinden der Städte Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter, war Wiege, Zentrum und Blütezeit des europäischen Judentums. Trotz der Zerstörungen durch die Nationalsozialisten sind in allen drei Städten bedeutende historische Monumente erhalten geblieben. Dieses einzigartige kulturelle Erbe gilt es zu bewahren, weshalb es mich besonders freut, dass wir die Bewerbung um den Status als UNESCO-Weltkulturerbe nun gemeinsam auf die Zielgerade führen können. Gemäß den Richtlinien der UNESCO zählen die Welterben zu den ‚unschätzbaren und unersetzlichen Gütern nicht nur jedes Volkes, sondern der ganzen Menschheit‘. Eine Aufnahme der SchUM-Städte in diese Liste wäre - insbesondere in Zeiten des wachsenden Antisemitismus weltweit - ein bedeutendes Zeichen, das in seiner Wirkung kaum überschätzt werden kann.«
Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz: »Ich wünsche mir sehr, dass die Touristinnen und Touristen nicht nur zu den SchUM-Städten reisen, um alte, jüdische Steine zu fotografieren, sondern dass diese Steine ihnen etwas sagen werden, das sie in ihren Herzen mitnehmen können.«
Eine erste Entscheidung über den Antrag könnte im Juni/Juli 2021 auf der jährlich stattfindenden Sitzung des UNESCO-Komitees erfolgen.
https://www.rlp.de/de/aktuelles/einzelansicht/news/News/detail/welterbe-antrag-fuer-juedisches-erbe-unterzeichnet/

Gästeführer für SchUM - 99 Stunden Lernen und Diskutieren über SchUM

Gästeführer aus Speyer, Worms und Mainz haben pünktlich zur Unterzeichnung bzw. Übergabe des Welterbe-Antrags an die UNESCO den Abschluss ihrer Gästeführerausbildung feiern können. Begleitend zur Antragsstellung der SchUM-Stätten auf Einschreibung als UNESCO-Welterbe wurden erfahrene Gästeführerinnen und Gästeführer aus Mainz, Worms und Speyer weitergebildet, um Gästen die SchUM-Gemeinden und ihre Monumente näherzubringen. Auf Initiative des SchUM-Städte e.V. und der Touristiker der drei Städte konnten durch die Unterstützung der Regioakademie des Bezirksverbands Pfalz renommierte Dozenten aus aus dem SchUM-Antragsteam für die vielfältigen Ausbildungsthemen wie z.B. Religion und Geschichte oder Methodik und Didaktik gewonnen werden. Einen großen Teil nahm die praktische Aufbereitung und Vermittlung der Besonderheiten der SchUM-Thematik ein. Die Gästeführerinnen und Gästeführer nahmen ihre Zertifikate am 14. Januar 2020 im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Beisein der Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer, Stefanie Seiler, entgegen. OB Seiler ist zugleich die Vorsitzende des SchUM-Städte e.V.
»Mit der Weiterbildung möchten wir einen Beitrag zur steigenden Nachfrage nach spirituellen Reisen und dem Wunsch nach verstärkter Vernetzung der drei Städte Rechnung tragen. Hierbei entwickelt sich SchUM zu einem wichtigen Thema für unsere Zielgruppen, zu denen auch viele Gäste gehören, die auf den Spuren ihrer eigenen Geschichte wandeln«, so Gisela Neumeister, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Wormser Gästeführer. Erstmals waren Gästeführer der drei Städte zu einer gemeinsamen Weiterbildung zusammengekommen. »Wir profitieren vom Erfahrungsaustausch mit den Gästeführer-Kollegen und können nun gemeinsam Ein- und Mehrtagesfahrten für Gästegruppen durch die SchUM Städte durchführen«, so Neumeister weiter.

Film zur Geschichte der Wormser Synagoge, 23. Januar 2020 in Worms

Die Wormser Synagoge, die helle, aber auch viele dunkle Zeiten erlebt hat, ist weltweit ein zentraler Erinnerungsort, ein lebendiges Denkmal der wechselhaften Geschichte der Juden.
Die Synagoge ist eine der Komponenten des Welterbeantrags. Sie wurde immer wieder aufgebaut, verändert, modernisiert. Sie war architektonisches Vorbild für andere Synagogen, eingebettet in ein Ensemble, das Aufschluss darüber gibt, wie eine frühe aschkenasische Gemeinde gelebt habe. Nur wenige Jahre nachdem das Gotteshaus 1934, völlig ignoriert von der nichtjüdischen deutschen Öffentlichkeit, sein 900. Jubiläum gefeiert hat, zerstörten Deutrsche das Gebäude samt Anbauten in den Novemberpogromen 1938. Der Wiederaufbau - die Wiedergewinnung - nach 1957 ist ebenso einzigartig wie die Geschichte des ganzen Ortes.
Die kleine Uraufführung im Tagungszentrum DAS WORMSER fand am 23. Januar vor zahlreichen Interessierten statt. Die Plätze reichten nicht aus, so groß war der Andrang.
Zeitgleich wurde ein erster Einblick in das Interview mit Philip Spiers, einem Nachfahre von Horst Spies, Juden aus Biblis, gezeigt. Horst Spies war u.a. Schüler an der jüdischen Bezirksschule Worms.
Beide Filme sind online zu sehen.
https://www.youtube.com/channel/UC_63kiHjCsU_7il73zG_2mg/videos

Unter dem Titel »Moreshet - Jewish Heritage Network« ist eine von der EU geförderte Kooperation von Regionen und Städten entstanden, die jüdisches Erbe als Teil ihrer kulturellen Geschichte verstehen. Sie streben an, den Dialog und den Austausch über die Erhaltung des jüdischen Kulturerbes und seine Präsentation zu verstetigen. Die Förderung des gemeinsamen europäischen Ansatzes für das jüdische Erbe steht ebenso im Zentrum wie eine Sensibilisierung für die Gefahren von Intoleranz und Vorurteilen. Nach einem Kick-Off-Seminar im spanischen Hijar im Juli 2019 fand im November 2019 in Worms ein Seminar statt, das sich mit der Einbindung von Jugendlichen in die Bewahrung des jüdischen Erbes befasste.
Vom 9. bis 11. Februar 2020 trafen sich die Vertreter aus Krakau, Worms, Hijar, Mantova und London in Wrocław. Thema des Seminars: »Jewish heritage and local community engagement«. Neben einer Stadtbesichtigung und der Begehung des alten jüdischen Friedhofs standen Vorträge und Präsentationen auf dem Programm. All das in der restaurierten Synagogen zum Weißen Storch. Dort konnten die Teilnehmenden auch die wieder instandgesetzte Mikwe sehen. Die Gastfreundschaft war der Bente-Kahan-Stiftung und der Stadt Wroclaw zu verdanken. Ein Abendessen in den Gemeinderäumen, auf Einladung des Rabbiners und seiner Frau, bot einen wunderbaren Rahmen, um gemeinsam jüdische Tradition zu leben.