Mainz

Jüdisches Viertel Mainz

Vom frühneuzeitlichen jüdischen Viertel sind ebenso wie vom mittelalterlichen Ghetto keine steinernen Zeugnisse bekannt. Es gab zu viele Zerstörungen: Nach dem Pogrom von 1096 mit mehr als 1.000 Ermordeten und wiederholten Angriffen kam es 1438 zur Ausweisung der Juden aus Mainz. Auf die Neugründung der Gemeinde 1445 folgte 1462 eine temporäre Vertreibung und die endgültige Ausweisung 1470/71. Die Synagoge wurde daraufhin als städtisches Kohlelager genutzt. Erst rund 100 Jahre später ließen sich Juden wieder in Mainz nieder. Wie überall in Deutschland und Österreich wurden im November 1938 auch in Mainz die Synagogen, Betstuben und das 1926 eröffnete »Museum Jüdischer Altertümer« zerstört.
Die Lokalisierung der mittelalterlichen Mikwe und anderer baulicher Reste des Mittelalters ist Teil der Auseinandersetzung mit dem Erbe von SchUM, wird jedoch zurzeit nicht intensiv betrieben.

Alter jüdischer Friedhof "Judensand"

In großen Teilen erhalten ist der mittelalterliche Friedhof »Judensand« an der Mombacher Straße. Der Alte jüdischer Friedhof Mainz ist die älteste bekannte Begräbnisstätte der Jüdischen Gemeinde in Magenza (ab ca. 1012). Neben dem »Heiligen Sand« in Worms gilt er als ältester jüdischer Friedhof Europas.
Vertreibungen der Juden führten immer wieder zu Räumungen und Umgestaltungen des »Ewigen Ortes« und damit zu gravierenden Verlusten an Grabsteinen. Die abgeräumten Steinen wurden von Stadt und Bürgern verbaut. Seit den 1820ern kamen bei erneuten Bauarbeiten in Mainz bedeutende Grabsteine ans Tageslicht. Diese Grab- und Memorsteine wurden 1926 von den Mainzer Rabbinern Levi und Salfeld zu einem Denkmalfriedhof vereint, um das Erbe weithin sichtbar zu machen und die eigene Verortung in Magenza bzw. Deutschland zu unterstreichen.
Im 17. Jahrhundert konstituierte sich langsam wieder eine jüdische Gemeinde in Mainz. Ab 1700 wurde der verbliebene Teil des Judensandes wieder belegt. Es handelt sich um das heute an der Mombacher Straße gelegene, untere Gräberfeld. Dieser Bereich wurde bis 1888 belegt. 1862 erwarb die Jüdische Gemeinde ein Grundstück zurück, das sich ebenfalls auf dem ursprünglichen mittelalterlichen Gelände befand und zukünftig als Erweiterungsfläche für das bereits stark belegte Gräberfeld dienen sollte. Dazu kam es jedoch nicht, da Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer jüdischer Friedhof auf dem Zentralfriedhof an der Unteren Zahlbacher Straße eingerichtet wurde.
Der Denkmalfriedhof dokumentiert, wie zentral und wichtig Magenza war und ist; ein solcher Denkmalfriedhof ist einzigartig in der jüdischen Welt.

Wurzeln von SchUM reichen in die Zukunft: die Neue Synagoge in Mainz

2010 wurde in Mainz der spektakuläre Synagogenbau des Architekten Manuel Herz eingeweiht. Herz unterstreicht mit seiner Formsprache die SchUM-Gelehrsamkeit ebenso wie die Gelehrsamkeit des Gerschom ben Jehuda metaphorisch . Gershom ben Jehuda, auch Meor ha-Gola, »Leuchte des Exils« genannt (um 960 in Metz - 1028 in Mainz), war einer der berühmtesten Talmudlehrer seiner Zeit und prägend für die jüdische Rechtsdiskussion.
Das Gebäude bildet, von der Seite betrachtet, den jüdisch-liturgischen Begriff Keduscha, d.h. einen Segensspruch zur Heiligung bzw. Erhöhung profaner und weltlicher Gegenstände ab. Weitere Bezüge zu jüdischen Diskursen und auch der Thora oder in den SchUM-Städten enststandenen Pijjutim finden sich im ganzen Gebäude. Das in der Gegenwart errichtete Monument verankert sich in der Gelehrsamkeit von SchUM. Tradition und Gegenwart gehen dadurch eine Symbiose ein.