Veranstaltungen im Rückblick

Schritt für Schritt zum Weltkulturerbe. Eine Vortragsreihe in Mainz, Worms und Speyer im Januar und Februar 2019

Seit der 2004 gestarteten Initiative des Oberbürgermeisters der Stadt Worms, Michael Kissel, mit der Jüdischen Gemeinde Mainz und dem Verein Warmaisa, die SchUM-Stätten als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, engagiert sich seit 2006 das Land Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den drei Städten, der Jüdischen Gemeinde Mainz, dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz sowie der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz für die Anerkennung dieser einzigartigen und die Architektur jüdischer Gemeinden prägenden Monumente als UNESCO-Welterbe. Im Januar 2020 wird der Antrag bei der UNESCO eingereicht werden. Ein Jahr vor der Antragstellung erläuterten Akteure aus den verschiedensten Institutionen den aktuellen Stand des Antrags und unterstrichen die Bedeutung von SchUM - der Monumente, aber auch des immateriellen Erbes.
Zum Auftakt in Mainz betonte Minister Prof. Dr. Konrad Wolf: »Nach vielen Jahren der Vorbereitung und der akribischen Detailarbeit sind wir nun auf der Zielgeraden. Im September dieses Jahres werden wir den UNESCO-Welterbeantrag für die SchUM-Stätten zur Vollständigkeitsprüfung vorlegen... Die vorliegenden Ergebnisse der wissenschaftlichen Expertisen bekräftigen unsere Einschätzung, mit den SchUM-Stätten ein außergewöhnliches Welterbe in Rheinland-Pfalz zu haben.« Dr. Stefanie Hahn (Ministerium) unterstrich: »An keinem Ort in Europa gibt es ein vergleichbares Spektrum jüdischer Monumente und Stätten aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Sie lassen die kulturelle Leistung europäischer Juden in der Formationsphase des aschkenasischen Judentums in besonderer Weise anschaulich werden.« Prof. Matthias Untermann von der Universität Heidelberg und Dr. Christoph Cluse von der Universität Trier berichteten von den wissenschaftlichen Thesen der Antragsbegründung.
Dr. Peter Waldmann von der Jüdischen Gemeinde Mainz: »Es gibt jenseits der Shoah eine jüdische Geschichte.« SchUM aber sei »keine Harmoniegeschichte, das ist auch keine Geschichte des wunderbaren Lebens zwischen Juden und Christen.«
Das öffentliche Interesse war extrem groß und unterstreicht auch die Neugier auf diese herausragenden Monumente und das jüdische Leben in Vergangenheit und Gegenwart.
Veranstaltungsorte der vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur sowie der Generaldirektion Kulturelles Erbe ausgerichteten Vortragsreihe waren in Mainz das Landesmuseum, in Worms das Tagungszentrum Wormser und in Speyer das Archäologische Schaufenster.

Vortrag in der Wiener Library in London , 30. Januar 2019

Im Rahmen der Ausstellung »Shattered« zu den Pogromen im November 1938 konnte Susanne Urban einen Vortrag über die Geschichte der Synagoge in Worms halten.
Das Erinnern und Analysieren der sogenannten Kristallnacht, der Pogrome vom November 1938, ist wichtig, da sie viele Schichten berührt. Nach der Nacht, als die Synagogen in Brand gesetzt wurden, nach dem darauffolgenden Tag, als alle sehen konnten, was passiert war, eskalierte die Situation immer weiter. Die Pogrome hatten einen großen Einfluss auf die Räume und Orte, an denen Synagogen entweiht, verbrannt und schließlich abgerissen und aus der Stadtstruktur zumeist auf immer entfernt wurden. Die Pogrome waren ein Wendepunkt und eine weitere Eskalation der deutschen Politik, an die sich die jüdische Welt für immer erinnern wird. Die brennenden Synagogen wurden, noch weitaus mehr als die Tausende Geschäfte, Wohnungen und anderer Einrichtungen der Jüdischen Gemeinden, die zerstört und zerstört wurden, eine ikonographische Erinnerung an dieses Ereignis.
Die Geschichte der Wormser Synagoge, ihre Größe in der Vergangenheit, ihre Zerstörung und wie und warum und von wem sie wieder aufgebaut wurde, ist einzigartig. Der Vortrag beleuchtete die Geschichte multiperspektivisch.

Europäischer Tag der jüdischen Kultur, 1. September 2019

Seit 1999 koordiniert die »European Association for the Preservation and Promotion of Jewish Culture and Heritage« den Europäischen Tag der jüdischen Kultur unter einem jährlich wechselnden Motto. Zum 20jährigen Jubiläum 2019 soll jede koordinierende Stelle ein eigenes Leitmotiv ausgeben, um die Vielfalt des europäischen Judentums zu spiegeln.
Unser Motto 2019 hieß: Film ab! Sie für SchUM!
Die einzigartigen Monumente und das herausragende immaterielle Erbe der einstigen SchUM-Gemeinden stehen 2019 bei uns im Rampenlicht. Die einmaligen SchUM-Stätten sollen Weltkulturerbe der UNESCO werden. Die Bewerbung ist auf der Zielgeraden – im Januar 2020 wird das Nominierungsdossier in Paris bei der UNESCO eintreffen.
Wir haben Sie eingebunden und Sie gaben Ihr Votum für SchUM ab.
Nun werden die Statements zu einem Clip geschnitten und anschließend auf unserer Website und auf dem YouTube Kanal des SchUM-Städte e.V. zu sehen sein.

Die Ausstellung des SchUM-Städte e.V., zu Wein und Judentum wurde am 5. September in der ehemaligen Synagoge in Kitzingen eröffnet und bis zum 26. September gezeigt.
Zusätzlich zur Ausstellng des SchUM-Städte e.V. zeigte der Förderverein der ehemaligen Synagoge Kitzingen einige eigene Ausstellungsbanner zur Gecshichte der Juden in Kitzingen. Im Jahr 1906 zählte der Ort 52 jüdische und 50 christliche Weinhändler. Die jüdischen Weinhändler trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei und verhalfen Kitzingen dazu, Weinhandelszentrum zu werden. Die wirtschaftliche Entwicklung durch die jüdischen Weinhändler ist mit ihren innovativen Werbestrategien, Strebsamkeit, Disziplin und dem Aufspüren neuer Märkte zu erklären. Einer der bekanntesten Namen im jüdischen Weinhandel Anfang des 20. Jahrhunderts ist Max Fromm. Mit 90 Mitarbeitern war der Weingroßhandel die führende Spitze im Kitzinger Weinhandel. Außerdem war Fromm einer der Hauptinitiatoren des Bocksbeutelvertriebs fränkischer Weingutbesitzer. Sie hatten den Bocksbeutel zum Markenzeichen des Frankenweins gemacht. Mehr als 1.200 Besucher haben die Ausstellung in Kitzingen gesehen.

Beiträge zu den Jüdischen Kulturtagen in Mainz und Worms, Oktober 2019

Zwei Beiträge des SchUM-Städte e.V. zu den Jüdischen Kulturtagen in Mainz und Worms befassten sich mit ganz unterschiedlichen Perspektiven auf SchUM.
In Mainz spürten wir den heute noch bekannten und in der jüdischen Tradition verankerten Spuren von SchUM nach - vom Golem bis zum Unetane Tokef und der Version von Leonard Cohen. Danke für die Gastfreundschaft der Jüdischen Gemeinde Mainz in der Neuen Synagoge.
In Worms beteiligte sich das Publikum sehr engagiert mit eigenen Ideen und Vorstellungen zur digitalen und musealen Vermittlung des Erbes SchUM.

In einem Kooperationsprojekt der Hochschule Worms und des Vereins SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz e.V. entstand eine Storytelling-App, um die einzigartigen jüdischen Monumente der SchUM-Gemeinde Worms mobil erkunden zu können. Am 23. Oktober 2019 informierten die Beteiligten die Presse und Öffentlichkeit über das Projekt. Mit der App »Jüdisches Worms« können sich Touristen und Einheimische mit Hilfe von drei Kurzgeschichten über den jüdischen Friedhof »Heiliger Sand« sowie über das Gelände rund um die Synagoge und vor allem zur Mikwe führen lassen. Die Erzählungen sind reichhaltig bebildert mit Fotografien und Zeichnungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten und nehmen die Nutzer mit auf Zeitreisen in die Jahre 1905, 1985 und 2018.
Dr. Peter Waldmann, stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz: »Die App führt zu einer neuen Erlebbarkeit der Monumente. Es ist wichtig, auch jenseits der Shoah jüdische Kultur und jüdisches Leben zu vermitteln. Die Stories umfassen viele Zeitschichten.«
https://schumstaedte.de/app-zum-juedischen-worms/

Im August 2018 gab es zunächst die Idee: Repräsentanten der Städte Krakow, Wroclaw, Mantua, Hijar, Worms und der europaweit agierenden »Foundation for Jewish Heritage« in London taten sich zusammen und verfassten, unter Federführung des Partners in Krakow, dem Małopolski Instytut Kultury w Krakowie, einen Antrag auf Förderung durch die EU. Im Rahmen des Programms »Europe for Citizens« wird ein Netzwerk jüdischer Stätten in Europa aufgebaut. Darin finden sich zuerst die genannten Städte zusammen, um ihr außergewöhnliches Erbe, das verschiedene Gemeinsamkeiten aufweist, zu vernetzen und nach und nach weitere Orte und Institutionen einzubeziehen. Im Dezember 2018 wurden die Gelder bewilligt.
Projektleiter ist das Malopolska Institute of Culture in Krakau http://english.mik.krakow.pl/. Die Partner sind: Wrocław (Stadt Wrocław), Worms (SchUM-Städte e.V.), Hijar (Ayuntamiento de Híjar), Mantova (Comunità ebraica di Mantova) und London (Foundation for Jewish Heritage).
Das übergeordnete Ziel: unter dem Titel »Moreshet - Jewish Heritage Network« eine Kooperation von Regionen und Städten, die jüdisches Erbe als Teil ihrer kulturellen Geschichte verstehen, aufzubauen, um den Dialog und den Austausch über die Erhaltung des jüdischen Kulturerbes und seine Präsentation zu verstetigen. Die Förderung des gemeinsamen europäischen Ansatzes für das jüdische Erbe steht ebenso im Zentrum wie eine Sensibilisierung für die Gefahren von Intoleranz und Vorurteilen. Es werden Erfahrungen zu Arbeitsweisen, vorbildlichen Verfahren und praktischen Herangehensweisen zu Erhalt, Präsentation und Tourismus ausgetauscht und diskutiert. Fachleute, die sich in ganz Europe mit jüdischem Erbe befassen, sollen ein noch professionelleres und konsequenteres Vorgehen bei der Auseinandersetzung und der Wahrung des jüdischen Erbes garantieren. Nach einem Kick-Off-Seminar im spanischen Hijar im Juli 2019 fand im November 2019 in Worms ein Seminar statt, das sich mit der Einbindung von Jugendlichen in die Bewahrung des jüdischen Erbes befasste.
Oberbürgermeister Kessel begrüßte die Teilnehmer und unterstrich, dass es eine Ehre für die Stadt sei, her mitwirken zu können.
Rund 40 Experten aus dem In- und Ausland waren angereist, aus Deutschland waren die jüdischen Museen Frankfurt und Halberstadt dabei, aus Berlin das Centrum Judaicum, außerdem das Pädagogische Landeszentrum aus Speyer und viele andere Stakeholder in Sachen Vermittlung. Michael Auras und Jürgen Hamm berichteten über die Fortschritte in der Forschung und Stabilisierung der Mikwe Worms - wie ist ein Bauwerk nach außen zu vermitteln, das erst einmal nicht zugänglich sein wird? Und wie können junge Menschen für solche Forschungen begeistert werden?
Michael Mail: »Es gibt in ganz Europa eine wachsende Anerkennung der Bedeutung des jüdischen Erbes.« Das Moreshet-Projekt sei daher eine wichtige Initiative. Die Projektpartner hätten sich zusammengefunden, um den Umgang mit jüdischem Erbe zu begleiten. Beim Seminar standen innovative Aktivitäten im Zentrum. Junge Menschen zu begeistern und zu errreichen, ist wichtig, weil es um die Geschichte der europäischen Vergangenheit, zugleich aber auch um die europäische Zukunft geht. Die jüdische Gemeinschaft, so ein Fazit, müsse in ihrer Vielfalt abgebildet und Juden als aktive, handelnde Individuen präsentiert werden. Schulbücher, so zeigte sich, seien jedoch oft sehr verknappt in ihren Darstellungen. Daher seien Materialien, die ergänzend zu den Curricula eingesetzt werden können, wichtig. Aus dem Seminar werden Handreichungen für Städte und föderale Einrichtungen entstehen.

SchUM entdecken! Unterrichtsmaterialien online, 3. Dezember 2019

Am 3. Dezember 2019 war es soweit: die Unterrichtsmaterialien unter dem Titel »SchUM entdecken« wurden online gestellt und im Katharinen-Gymnasium Ingolstadt der Öffentlichkeit präsentiert.
Schüler/innen des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt besuchten 2018 Speyer und Worms, bestaunten die mittelalterlichen Monumente und gingen auf Streifzug durch Jahrhunderte. Die im Durchschnitt 16-Jährigen näherten sich den SchUM-Stätten an, beschäftigten sich mit Geschichten und Objekten und stellen ihre Ergebnisse in eigenen Worten vor. Grundlegend war dabei die Idee, dass Schüler/innen interessantes Lernmaterial für andere Jugendliche erarbeiten. Was war ihnen wichtig, welche Objekte waren für sie interessant? Als Ergebnis kann nun das Material auf unserer Website präsentiert werden. Sie soll auch andere Schüler/innen und Jugendliche in der außerschulischen Bildung darauf neugierig machen, SchUM zu entdecken, zu erforschen und Neues zu lernen. Abseits von Klischees werden hier Perspektiven auf SchUM vermittelt und dabei das innerjüdische Leben und die Innovationskraft der SchUM-Gemeinden als Ausgangspunkt genommen.
https://schumstaedte.de/entdecken