SchUM und UNESCO

»In ihrer kulturellen Überlieferung wird eine Gesellschaft sichtbar: für sich und für andere. Welche Vergangenheit sie darin sichtbar werden und in der Wertperspektive ihrer identifikatorischen Aneignung hervortreten lässt, sagt etwas aus über das, was sie ist und worauf sie hinauswill.«

Jan Assmann, Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität, Frankfurt am Main 1988

2004: Nach einem Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde Mainz und dem Verein „Warmaisa“ schlägt der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel dem Land Rheinland-Pfalz vor, für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste anzugehen. Eine Konferenz und eine Ausstellung zu Juden im Mittelalter in Historischen Museum in Speyer tragen ihren Teil zu der Idee bei.

Seit 2006: Aufnahme des SchUM-Welterbe-Vorhabens in die Regierungserklärungen.

2012: Antrag des Landes Rheinland-Pfalz an die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) zwecks Aufnahme der SchUM-Stätten in die deutsche Vorschlagsliste.

Seit Juni 2014: Die SchUM-Stätten nehmen in der Reihenfolge der Tentativliste der KMK Platz fünf ein.

2020: Das Land Rheinland-Pfalz übermittelt dem Welterbekomitee das Nominierungsdossier samt Managementplan.

Vorauss. 2021: Entscheidung der UNESCO über Aufnahme der SchUM-Städte in die Welterbeliste.

Antragstellung

Das Antragsdossier samt Managementplan wurden 2020 termingerecht bei der UNESCO eingereicht. Dahinter stehen viele Akteure, die das Dossier gemeinsam erarbeiten und ihren Teil beigetragen haben, gebündelt und koordiniert durch das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland Pfalz, begleitet v.a. von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, den Universitäten Heidelberg und Trier, den Städten und ihren Fachämtern sowie Akteuren in der Denkmalpflege und des SchUM-Städte e.V.
Der Antrag wird in Paris auf Vollständigkeit geprüft. Eine Expertengruppe des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) begutachtet den Antrag. Die Inaugenscheinnahme der beworbenen Stätten ist dabei üblich. Die Expertengruppe gibt eine Empfehlung ab, weshalb der Antrag negativ oder positiv beschieden werden sollte, ob Angaben und Maßnahmen fehlen etc. Auf der folgenden jährlichen Sitzung entscheidet das Welterbekomitee endgültig über die Aufnahme oder die Ablehnung.

Wer anerkannt und in der Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen wird, verpflichtet sich langfristig, niedergelegt u.a. im Managementplan, die Welterbestätte zu schützen und sie zugleich zugänglich zu machen, Bildungsaktivitäten durchzuführen etc. Welterbestätten unterliegen dem Monitoring der ICOMOS. Die Verantwortlichen wissen um die Langfristigkeit der Aktivitäten, die mit einer Anerkennung verbunden wären und möchten sich dieser Aufgabe gerne stellen.

Vermittlung und Bewahrung, der konstruktive Austausch zu Fragen der Koexistenz verschiedener Kulturen und Religionen und die Auseinandersetzung mit jüdischen Traditionen und jüdischer Gelehrsamkeit in ihrer Bedeutung auch für die Gegenwart werden einige der Eckpfeiler sein, sollten die SchUM-Stätten Welterbe werden.

Zur Antragstellung vgl. u.a.:

Webtipps

Öffentlichkeit

In Speyer, Worms und Mainz sind jährlich mehrere Zehntausend Besucherinnen und Besucher an dem vielfältigen Erbe von SchUM interessiert.

Die Infrastruktur ist unterschiedlich, sowohl was Übernachtungsangebote als auch die Gastronomie angeht. Für jüdische Besuchende sind alle drei Städte bedeutend, aber die Verweildauer ist begrenzt und unterschiedlich verteilt. Viele zieht es nach dem Besuch nach Frankfurt oder in eine andere Stadt. Touristen, die sich für SchUM und weitere Angebote interessieren, bleiben aus unterschiedlichen Gründen auch als Übernachtungsgäste. In Zukunft werden Angebote für verschiedene Besuchergruppen entwickelt, die sich unterschiedlichen Bedürfnissen öffnen. Bereits eingeführte Veranstaltungen zu den SchUM-Städten sollen ergänzt werden. Aspekte jüdischer Geschichte und der Weitergabe der Traditionen von SchUM in der Zeit der Emanzipation, des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, der NS-Zeit bis zum Ende der Shoah, nach 1945 und in der aktuellen Gegenwart können ebenso aufgegriffen werden wie die Frage: »Was bedeutet SchUM heute und mir persönlich?«.

Ob die Neue Synagoge in Mainz, die jüdischen Kulturtage SchUM oder das Museum SchPIRA in Speyer und das Jüdische Museum in Worms mit seiner neuen, auf 5 Jahre angelegten, Ausstellung – Anknüpfungspunkte für zeitübergreifende Entdeckungsreisen in die Bauten und Monumente, die Tradition und Überlieferung der SchUM-Städte, ihre wechselhafte Geschichte, ihre ungebrochene Bedeutung für jüdische Erinnerung und nicht zuletzt einer Annäherung an das jüdische Leben heute gibt es genug.

Der angestrebte UNESCO-Welterbetitel ist eine zentrale und wichtige Aufgabe, der sich das Land, die Städte, die beteiligten Ministerien, Ämter, Gremien und Einrichtungen gerne annehmen. Es geht auch darum, die Bedeutung dieses Erbes zu vermitteln und zu schützen, die steinernen Zeugnisse zu bewahren und mit Leben zu erfüllen.