SchUM als Welterbe

Die SchUM-Städte sind von zentraler Bedeutung für das Judentum und Juden weltweit – aber was bedeuten sie den Nichtjuden, was kann SchUM der Welt bedeuten? Kann jüdisches Erbe Welterbe sein?

SchUM, das sind Gelehrte, das ist Wissen und Tradition, das sind Grabsteine, Mikwaot und Synagogen. Zugleich spiegelt sich in der Geschichte und Tradition dieser drei Städte und ihrer jüdischen Stätten auch, wie sich das jüdische Gemeindeleben und die Gelehrsamkeit inmitten der christlichen Mehrheitsgesellschaft entwickelte, aber auch immer wieder gehemmt oder gar zerstört wurde.

SchUM bedeutet Koexistenz und Austausch, Miteinander und Nebeneinander, Blütezeiten und auch den Niedergang durch Vertreibungen und Morde.

Juden haben zu gesellschaftlichen und religiösen, wirtschaftlichen und sozialen Diskussionen und Entwicklungen, aber auch zu Kultur, Baukunst, Recht und anderen Disziplinen in SchUM beigetragen. SchUM war wie ein jüdisches Lehrhaus in vielen Gebäuden und an drei Orten, dessen Bedeutung über die konkreten Orte hinausging.

Die antijüdischen Kampagnen bis hin zur Shoah haben ebenfalls tiefe Prägungen hinterlassen – und doch wurden Brücken über diese Gräben errichtet, um das gemeinsame Erbe zu betreuen und zu bewahren und der Nachwelt in seinem Wert zu vermitteln.

Die UNESCO möchte in dem gelisteten Welterbe die Welt in ihrer Diversität abbilden. Auf der Liste des Welterbes finden sich nur wenige Stätten mit primär jüdischem Bezug. In Israel sind vier Welterbestätten gelistet, darunter Masada und die Bauhausarchitektur in Tel Aviv.

Die SchUM-Städte verbinden jüdische mit europäischer mit globaler Geschichte, sie sind bedeutsam für Juden und Nichtjuden weltweit. Die Monumente sind herausragend und dienen als Erinnerungsraum sowie für die eigene Selbstverortung in der Gegenwart.

SchUM bietet Raum für Reflexionen.

SchUM lässt uns mit zentralen Fragen auch für die Gegenwart zurück:

  • Wie können und sollen verschiedene Kulturen und Religionen miteinander leben, ohne ihre eigenen Wurzeln aufzugeben?
  • Wie funktioniert Koexistenz?
  • Assimilation oder Akkulturation?
  • Wie ist ein neues Zusammenleben möglich nach Pogromen, Vernichtungen und Vertreibungen?
  • Was bedeuten jahrhundertealte Kommentare eines Raschi z.B. für das heutige Zusammenleben oder für Fragen der Wirtschaftsethik?
  • Weshalb sollten religiöse Texte und Gebote hinterfragt, diskutiert und zeitgemäße Zugänge und Neuinterpretationen gefunden werden?

Ein Welterbe SchUM würde der Bedeutung dieser einzigartigen jüdischen Tradition gerecht.

Ein Welterbe SchUM würde verdeutlichen, dass SchUM nicht nur Geschichte, sondern auch Gegenwart ist.

Die nach der Shoah gegründeten Gemeinden wissen um die Traditionen von SchUM.

Diese Traditionen aufzugreifen und zu leben, entspricht dem Geist und der Gelehrsamkeit von SchUM.