Speyer

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Im Zentrum des ehemaligen Judenviertels ist eine Mikwe aus der Zeit um 1120 erhalten. Die beeindruckende Monumentalmikwe ist das älteste erhaltene Ritualbad in Europa. Die Mikwe und ihre Anlagen waren für die Juden in Speyer bis zur Auflösung der Gemeinde im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts ein zentraler Ort.

Wer sich in die Mikwe begibt, geht hinunter auch in die Geschichte von SchPIRA, beginnend über eine lange Treppe, durch ein romanisches Portal, einen Vorraum, umgeben von u.a. einem Umkleideraum mit steinernen Bänken, einem weiteren Vorraum und schließlich, wieder einige Stufen hinunter, zum Tauchbecken.

Auf dem weiteren Gelände um die Mikwe befinden sich die gesicherten Reste der 1104 errichteten Synagoge und des Frauenbetraums, oft auch als Frauensynagoge bezeichnet. Diese stammt aus der Mitte des 13. Jh. Die Gemeinde in Speyer hatte sich hierbei die Frauensynagoge in Worms als Vorbild genommen. Eine solche bauliche Ergänzung war in dieser Zeit herausragend. Die Mikwe und die baulichen Reste der Synagoge stehen mit Blick auf Speyer im Zentrum des Antrags an die UNESCO.

Die baulichen Reste lassen Rückschlüsse auf verschiedene Veränderungen zu, u.a. infolge des Pogroms 1349 und dem nachfolgenden Wiederaufbau. Nach dem Niedergang der Gemeinde im 16. Jh. wurde die Synagoge seitens der Stadt umgenutzt. Brände, Zerfall und Abrisse führten die Zerstörung fort. Die Shoah setzte der kleinen, Ende des 18. Jh. neu gegründeten Gemeinde erneut ein Ende. Mitte der 1990er formierte sich eine neue Gemeinde; 2011 konnte eine umgebaute Kirche als Synagoge eingeweiht werden.

Seit den 1960ern kam es zu Ausgrabungen; seitdem wird das jüdische Erbe kontinuierlich gesichert und bewahrt. 2010 eröffnete am Eingang zum „Judenhof“, das Museum SchPIRA. Dort werden Relikte und Ausgrabungsergebnisse zur Blütezeit der jüdischen mittelalterlichen Geschichte sowie Grabsteine aus dem 12. bis 15. Jh. gezeigt. Über Grabsteine nähern sich Besucher einzelnen Menschen aus der Gemeinde an, können sich dadurch ein Bild der Menschen dieser Gemeinde machen. Diese Grabsteine wurden nach Vertreibung und Pogromen vom zerstörten und dann aufgelassenen Friedhof entwendet und verbaut – in Brücken und Treppen. Einige fanden sich bei Bauarbeiten im 19. und 20. Jahrhundert wieder. Das Museum SchPIRA vereint unter anderem Relikte wie Fenster, Kapitelle, Grabsteine sowie Münzen (»Schatz von Lingenfeld«) in seinen Räumen. Gemeinsam legen diese Überreste Zeugnis ab vom jüdischen Speyer im Mittelalter. So schön diese Zeugnisse sind - für die UNESCO-Bewerbung werden sie lediglich im Kontext der Monumente berücksichtigt.