Wissenschaftlicher Beirat

Im April 2016 berief das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland Pfalz einen wissenschaftlichen Beirat ein. Diesem gehören renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In-und Ausland an. Vertreten sind Judaisten, Historiker, Archäologen und andere Disziplinen. Das Gremium begleitet die Antragstellung an die UNESCO intensiv. Dazu gehört die Diskussion der von der UNESCO geforderten Vergleichsanalyse mit anderen Welterbestätten bzw. Bauwerken ebenso wie die Debatte um die Thesen zur Einzigartigkeit, Authentizität und Unversehrtheit der Monumente in den SchUM-Städten.

Die Mitgliederliste:

Prof. Dr. Elisheva BAUMGARTEN (Jerusalem)

Prof. Dr. Michael BROCKE (Essen)

Prof. Dr. Eva HAVERKAMP (München)

Prof. Dr. Johannes HEIL (Heidelberg)

Prof. Dr. Elisabeth HOLLENDER (Frankfurt a.M.)

Prof. Dr. Ephraim KANARFOGEL (New York)

Prof. Dr. Hans-Rudolf MEIER (Weimar)

Prof. Dr. Norbert NUSSBAUM (Köln)

PD Dr. Lucia RASPE (Berlin)

Dr. Birgitta RINGBECK (Berlin)

Prof. Dr. Sarit SHALEV-EYNI (Jerusalem / USA)

Rabbiner Aharon Ran VERNIKOVSKY (Mainz)

Projekte

Ein gemeinsam mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz veranstalteter Studentenworkshop im September 2010 beschäftigte sich in Worms mit der stadtplanerischen Entwicklung der Judengasse und Umgebung. Diese Ideen sollen im Rahmen des Management Plans erneut aufgegriffen und diskutiert sowie weiterentwickelt werden.

Im Herbst 2011 fand im Mainzer Landesmuseum eine erste von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz ausgerichtete Tagung zu den SchUM-Städten statt. Expertinnen und Experten tauschten sich über den aktuellen Stand der Forschung aus und machten neue Erkenntnisse publik. Ein Tagungsband ist erschienen.

Im Herbst 2013 kamen Teilnehmende und Referenten zur Tagung »Das kulturelle Profil der SchUM-Gemeinde« nach Worms. Die Tagungsleitung lag bei Prof. em. Karl Erich Grözinger, Kooperationspartner waren das Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, die Universität Potsdam und die Bar Ilan University. Ein Tagungsband ist erschienen.

Die Aufnahme, Auswertung und Kontextualisierung der Grabsteine des »Heiligen Sand« erfolgt derzeit unter Leitung von Professor Michael Brocke, der etliche Friedhöfe in dieser Weise erschloss und erforschte, so auch den jüdischen Friedhof am Börneplatz in Frankfurt am Main in. Eine umfassende Publikation zum »Heiligen Sand« ist in Vorbereitung. Prof. Brocke wird vom Altertumsverein Worms e.V. unterstützt.

Der Friedhof »Judensand« in Mainz soll in Zukunft, entlang halachischer, wissenschaftlicher und zugleich denkmalpflegerischer Richtlinien, weiter erschlossen und gesichert werden.

Verantwortlich für die Erarbeitung des Welterbeantrags ist das Land Rheinland-Pfalz. Hierbei arbeitet das federführende Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland Pfalz bei der Erstellung des Nominierungs-Dossiers mit verschiedenen wissenschaftlichen Kooperationspartnern zusammen, darunter das Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden an der Universität Trier sowie die Universitäten Heidelberg und Mainz.

Bereits seit dem hohen Mittelalter gelten die jüdischen Gemeinden in Mainz, Worms und Speyer als Modelle für das jüdische Leben in Aschkenas, d. h. den deutschen Landen an Rhein und Donau, später darüber hinaus auch in Oberitalien und Mittel‑/Osteuropa. Diese Vorbildfunktion äußert sich mit langer, bis heute wirksamer Geltung auf dem weiten Gebiet der jüdischen Gelehrsamkeit im religiösen Recht und in der synagogalen Dichtung sowie in spezifischen Ausformungen der religiösen Praxis. Dieses immaterielle Kulturerbe entstand im konkreten räumlichen Umfeld der mittelalterlichen Kathedralstädte am Rhein und in der Auseinandersetzung mit der christlichen Umwelt – einschließlich der Herausforderungen durch Verfolgungen und Gefährdungen, die sich beispielsweise in einer besonderen Verehrung der jüdischen Märtyrer in der religiösen Praxis und im Kult der Synagoge äußerte. Gemeindliche und soziale Innovationen, die hier besonders früh festzustellen sind, entfalteten ebenfalls eine breite Wirkung in der jüdischen Welt – sichtbar u.a. im Bau monumentaler Mikwaot und spezieller Frauensynagogen als Ausdruck der Geschlechterverhältnisse innerhalb der jüdischen Gemeinden und Familien. Der Ruf ihrer Rechtsgelehrten, der synagogalen Dichter und ihrer »Frommen« war in der Erinnerung späterer Generationen stets mit konkreten Orten verbunden – insbesondere mit bestimmten Gräbern auf den Friedhöfen, aber auch mit Örtlichkeiten in den jeweiligen Wohnbezirken. Es wird angenommen, dass die alten Synagogen in den SchUM-Gemeinden einen bestimmten Bautypus beeinflussten.